Rundreise durch Kuba mit dem Rollstuhl

Diese Rundreise haben meine Schwester (Fußgänger) und ich (Rollstuhlfahrer) im November 2013 durch Kuba gemacht. Ich sitze in einem Aktivrollstuhl, den man falten kann, brauche beim Schlafen Unterstützung durch ein Atemgerät und benötige daher nachts immer Strom. Die ganze Reise war viel schöner und stressfreier als ich befürchtet habe…

Flüge nach Kuba

Wegen des 2013 noch bestehenden Embargos der USA gegenüber Kuba gab es keine Flüge über die großen amerikanischen Airports. Air Canada bietet Flüge von Europa über Toronto an. Von Frankreich aus fliegt Air France täglich den Havana Jose Martin International Airport an. Der Flug für eine Person kostet durchschnittlich zwischen 750,- und 1300,- Euro (Stand: Herbst 2014). Günstigere Flüge (auch nach Santa Clara) gibt es auch über die Websites www.condor.de und www.airberlin.de.

Havanna – die Hauptstadt Kubas

In Havana empfehlen wir die Casa de David y Lidia Diaz. Im Haus in der Calle San Miguel gibt es ein reichhaltiges Frühstücksbuffet und auf Bestellung auch abends ein leckeres Abendessen. Für Rollstuhlfahrer ist Davids zweites Haus in der Calle Manrique geeigneter. Am Eingang gibt es zwar zwei Stufen (der Hauswart oder ein anderer Gast helfen aber jederzeit), dafür ist das Badezimmer für kubanische Verhältnisse sehr groß. Beide Häuser liegen nahe der Altstadt, die man in wenigen Minuten mit dem Rollstuhl ohne große Steigungen erreichen kann.

Sehenswürdigkeiten in Havana

Havana vieja ist wegen des historischen Straßenpflasters nicht ganz leicht auf vier Rädern zu bewältigen. Wer genau weiß, wohin er will, kann aber auch die glatt geteerten Straßen an der Küste nutzen und so von Osten her den kürzesten Weg mit Kopfsteinpflaster wählen. Die Calle Obispo sollte man aber auf jeden Fall einmal herunterspazieren sein, wenn sie auch sehr touristisch und die Bars überteuert sind. Dafür drohen hier großen Schlaglöcher und das Treiben ist in ganz Havana nirgendwo so bunt.

Das Museo de la Revolución hat am Eingang jede Menge Stufen und keinen Lift. Auch wenn der Aufzug des Museo Nacional de Bellas Artes fast immer außer Betrieb ist, gibt es doch breite rampenähnliche Aufgänge, um die Kunstwerke in allen Stockwerken zu erreichen. Ebenfalls ebenerdig erreichbar ist das Castillo de la Real Fuerza an der Plaza de Armas. Die dicken Mauern am Hafeneingang von Havanna lassen erahnen, wie heiß umkämpft die Insel in den vergangenen Jahrhunderten gewesen sein muss. Unweit davon an der Plaza Vieja lockt eine Sehenswürdigkeit, die es nur zweimal in Südamerika gibt: die Camera Obscura im achten Stock ist über zwei Stufen am Eingang und einen Lift erreichbar (das Personal am Eingang ist sehr hilfsbereit). Die „dunkle Kammer“ verfügt über eine Art Teleskop und einen Rundspiegel, auf dem die Gebäude Havannas von draußen projiziert werden. Der Vorführer erklärt in einer 10-minütigen Darbietung die Funktionsweise des Geräts und stellt die wichtigsten Gebäude vor. Anschließend kann man sich von der Dachterrasse selbst ein Bild von der malerischen Altstadt machen.

Am Abend trifft sich Jung und Alt am Malecón, der Strandpromenade Havannas. Wer eine Flaniermeile wie in Cannes erwartet, wird enttäuscht. Dicke Mauern stellen sich der teilweise tosenden Brandung entgegen, nur wenige Bars und Restaurants laden zum Verweilen ein. Doch wer sich die Mühe macht, einige Kilometer den Gehweg neben der mehrspurigen Straße entlangzuflanieren, dem wird sich die kubanische Lebensart eröffnen: Straßenverkäufer, die kühle Drinks, Chips und Erdnüsse anbieten, Liebespärchen, die engumschlungen den Wellen zusehen, ganze Familien, die mit Kind und Kegel direkt auf der groben Steinmauer ein Picknick veranstalten, junge Burschen, die neben alten Hasen mit Angelschnur und selbstgebastelten Angelhaken fischen, Jugendliche, die spontan zur Musik aus dem Ghettoblaster tanzen.

Viñales

Das Dorf Viñales in der Region Binar del Rio im Südwesten der Insel ist ein Muss für alle Kubabesucher. Die eigentümliche Landschaft wird von hohen, buckelartigen Bergen geprägt, die einst Teil einer riesigen Höhle gewesen sein sollen, die vor vielen Mio. Jahren in sich zusammenbrach. Auch heute noch kann man einige der unterirdischen Gänge besichtigen – sogar mit dem Rollstuhl. Unser Guide und Taxifahrer Leonardo organisierte sogar eine Fahrt mit dem Pferdekarren durch das Tal der Stille, in dem keine Autos fahren dürfen.

Unterkunft in Vinales

Oberhalb des Dorfes gibt es ein schön gelegenes staatliches Resort, das den Namen Ermita (zu deutsch „Einsiedelei“) wahrlich verdient. Vom Pool und den Zimmern genießt man einen fantastischen Blick auf die Buckelberge von Viñales. Zwar gibt es keine offiziellen rollstuhlgerechten Zimmer, aber für einen Faltrollstuhl mit einer Breite unter 70 cm kommt man auch ins Bad.

Wir mussten einiges Zeit suchen, bis wir eine für mich passende Casa Particular gefunden haben. Bei „El moro“ sind wir schließlich fündig geworden. Das Haus liegt nur wenige Gehminuten vom Zentrum in Vinales. Über eine hohe Stufe kommt man zum hinteren Zimmer, das sehr geräumig ist. Das Bad ist klein, verfügt aber über eine 70 cm breite Tür und einen Abfluss im Boden. So konnte ich einfach auf der Toilette duschen. Die Besitzer Julian und Magadi waren so herzlich und hilfsbereit, dass uns der Abschied nach vier Tagen richtig schwer fiel.

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Havanna
Kuba

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